Tai Chi Chuan

Heilgymnastik

Die daoistischen Bewegungsübungen beinhalten das Wissen von Qi-Gong
und Yi-Gong. Sie gehen auf traditionelle Übungen daoistischer Mönche zurück,
die zum Teil schon in der chinesischen Urgesellschaft als Daoyin bezeichnet
wurden und vor mehr als 3000 Jahre ihren Ursprung haben.

Im Mittelpunkt dieses Teiles des Tai-Chi-Chuan stehen Entspannung, Wohlgefühl
und die Anregung der Selbstheilungskräfte. Durch die Verbindung von sanften
runden Bewegungen, mit dem natürlichen Rhythmus des Atmens, wird die
Lebensenergie „Qi“ aktiviert und führt bei regelmäßiger Übung zu natürlichem
Gleichgewicht. Dieses Qi, von Meister King Hung Chu „Happy Chi“ genannt, gilt
es zu entwickeln und stetig zu fördern.

Die weichen fließenden Bewegungen fördern die Durchblutung der Gelenke und
machen die Muskulatur elastischer.

Gegründet auf das ursprüngliche Prinzip von Yin und Yang, fördert Tai Chi Chuan
im Laufe der Zeit heitere Gelassenheit, innere Stärke, sowie körperliche und
geistige Beweglichkeit.

Meditation

Mit Tai-Chi-Chuan kann man einen Schritt aus dem Alltag tun, der Lebensenergie
Qi nachspüren und dort, an der ursprünglichen Quelle, zur Ruhe kommen.

Neben der klassischen Sitzmeditation gibt es einige, auf den Yang-Stil abgestimmte
Qi-Gong Übungen im Stehen. Qi – ist in diesem Kontext die grundlegende materielle
Lebenskraft, gleichzeitig Materie und Energie, wird aber auch mit Atem übersetzt.
Qi-Gong bedeutet demnach Energie- bzw. Atemarbeit.

Dass Qi-Gong eine der Säulen des Tai-Chi-Chuan im Original YANG-Stil der
International Tai-Chi-Chuan-Association (ITCCA) ist, erkennt man daran, dass jede
der Tai-Chi-Bewegungen richtig ausgeführt auch eine Qi-Gong-Bewegung ist. Mit
anderen Worten: Tai-Chi-Chuan und Qi-Gong sind eins.

Das Unbeschreibliche

Nur wer nicht in der äußeren Welt sucht,
Sondern die Augen schließt,
Wird das Unsichtbare sehen.
Nur in gelassenem Schweigen
Wirst du das Lautlose vernehmen
Nicht im Verstehnwollen und Ergreifen,
Sondern im Lassen
Offenbart sich das Unbegreifliche.

Schau weder zurück noch in die Ferne.
In der Allgegenwart des Jetzt
Erhebst du dich über den Kreislauf von Werden und Vergehen
Und kehrst heim zum EINEN.
(aus Lao Tse, Tao Te King, übers. Marie-Luise Bergoint 1997)

Kampfkunst

Auch in den Partnerformen werden die Prinzipien des Tai-Chi deutlich.
Das Ausweichen und Zurückziehen wird dem Yin-Prinzip zugeordnet und das
Vorschieben sowie das Angreifen dem Yang-Prinzip. Jeder kann seine Grenzen
in der Balance erkennen und lernen, auf die Energie des Partners einzugehen.

Tuishou – „Schiebende Hände“, ist einer der Oberbegriffe für die in Ihrem Ablauf
vorgegebenen Partnerübungen im Tai-Chi-Chuan. Darunter fallen: Single- und
Double-push-hands, Smal-circle-push-hands und die Talu-Formen.

Von Yves Blanc stammt der Auspruch:
Die Kampfkunst kleidet die Natur vor allem,
wenn sie entkleidet ist. Die Energie, die daraus entsteht, scheint dann mit dem
Gebirge, der Wüste oder dem Ozean ein Bild der Ewigkeit zu formen, in dem das
menschliche Wesen seine wahre Dimension annimmt. Dieses Maß, daß man an der
Welt nimmt, nennt sich Erwachen des Bewusstseins, weil es die Menschen
herauszufordern scheint und seine Verbindung ist immer ein Symbol der geistigen
Erhöhung.“
(YvesBlanc/ITCCA-France)